Anfang der Woche hat das Statistische Bundesamt aktuelle Zahlen zu Menschen mit Behinderung in Deutschland veröffentlicht. Zum Jahresende 2025 lebten gut 7,8 Millionen Menschen mit einer anerkannten schweren Behinderung in der Bundesrepublik.
Das Statistische Bundesamt (DESTATIS) erhebt diese Zahlen alle zwei Jahre. Die letzte Erhebung stammt vom Jahresende 2023 und wird jetzt durch die Zahlen für Ende 2025 abgelöst.
Im Vergleich zu 2023 ist die Zahl von 7,9 Millionen auf 7,8 Millionen leicht zurückgegangen. Das liegt an einer Bereinigung der Verwaltungsdaten in Sachsen und Hessen: Nach dieser Bereinigung fällt die Zahl für beide Bundesländer zusammen um 195.000 geringer aus, es ist also von einer vorherigen Übererfassung auszugehen. Die absoluten Zahlen von 2023 und 2025 lassen sich damit nur eingeschränkt miteinander vergleichen.
Auf die Gesamtbevölkerung gerechnet haben 9,4 % eine schwere Behinderung. Fast jeder zehnte Mensch in Deutschland.
Die wenigsten schweren Behinderungen sind angeboren
Die Zahlen belegen einmal mehr: Die wenigsten schweren Behinderungen bestehen von Geburt an. Gut 91 % werden durch eine Krankheit verursacht, nur 3 % sind angeboren oder treten im ersten Lebensjahr auf.
Auch bei der Altersverteilung zeigt sich das deutlich. Mit 45 % stellt die Altersgruppe von 55 bis 74 Jahren den größten Anteil, über ein Drittel der Betroffenen ist sogar älter als 75. Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren machen dagegen nur 3 % der schwerbehinderten Menschen aus, eine eigene, deutlich kleinere Gruppe.
Rechnet man beide Altersgruppen zusammen, sind knapp 80 % der Betroffenen 55 Jahre und älter. Das zeigt: Barrierefreiheit wird durch den demografischen Wandel nicht weniger wichtig, sondern mehr.
Ein weiterer Aspekt aus den Zahlen: Bei gut einem Fünftel (21 %) der Betroffenen hat das Versorgungsamt den höchsten Behinderungsgrad von 100 festgestellt, über ein Drittel (36 %) liegt bei einem Grad von 50. Ein hoher Behinderungsgrad bedeutet in der Regel, dass mehrere Einschränkungen zusammenkommen, nicht nur eine einzelne. Für barrierefreie Angebote heißt das: Es reicht selten, nur eine Baustelle zu lösen, etwa nur Kontraste oder nur Tastaturbedienung. Die Kombination macht den Unterschied.
Was die Statistik nicht erfasst: Einschränkungen und Beeinträchtigungen
Die Zahlen belegen eindrucksvoll, dass Barrierefreiheit kein Randthema ist. Fast jeder zehnte Mensch in Deutschland hat eine anerkannte schwere Behinderung, das ist keine kleine Minderheit.
Und die Statistik erfasst “nur” die schweren Behinderungen. Alle anderen Einschränkungen und Beeinträchtigungen, temporär oder situativ, tauchen darin gar nicht erst auf. Die Zahl der Menschen, die von Barrierefreiheit profitieren und sie im Alltag brauchen, liegt also nochmal deutlich höher als die 7,8 Millionen, die DESTATIS ausweist.
Alle Details und weitere Hintergründe gibt es in der DESTATIS-Pressemitteilung „7,8 Millionen schwerbehinderte Menschen leben in Deutschland“ (öffnet in neuem Tab). Weitere Tabellen und Grafiken zum Thema „Behinderte Menschen“ (öffnet in neuem Tab) gibt es ebenfalls beim Statistischen Bundesamt.